Rote Linien

Ich habe „lange“ hier nichts geschrieben. Einfach auch, weil ich gar nicht wusste, wo ich an- und wo ich aufhören sollte. Ich habe bereits in einem Beitrag vor einem Monat schon mal „Unfassbarkeiten“ getitelt. Nun, dass ist nicht besser geworden – und ich denke, dass eigentlich jede/r von Inkonsistenzen bis hin zu Irrationalitäten seitens der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Epidemie berichten kann. Die BILD hat das aufgegriffen unter „Neuer Corona-Regel-Irrsinn: Vollbart-Verbot an deutscher Uni!“, s. https://www.bild.de/politik/inland/politik-inland/neuer-corona-regel-irrsinn-vollbart-verbot-an-deutscher-uni-79091890.bild.html. Aber der Wahnsinn geht ja in seiner Weite und Tiefe weit über solche Einzelentgleisungen hinaus.

Und damit wieder ein paar Links, die aus meiner Sicht bemerkenswert sind. Auf den Beschluss vom 27. Januar 2021 „Covid-19-Impfstoffe: Ethische, rechtliche und praktische Erwägungen“ und dessen Aussage, „dass die Bürger darüber informiert werden, dass die Impfung nicht vorgeschrieben ist und niemand unter politischem, sozialem oder sonstigem Druck steht, sich impfen zu lassen, wenn sie dies nicht wünschen“ habe ich schon hingewiesen. Den angekündigten Umgang mit einem Bundesgesetz zur einrichtungsbezogenen Impfpflicht seitens des Landes Bayern hat sicher auch schon jeder gelesen. Als Fazit für mich sind also weder Wahlversprechen („eine Impfpflicht ist absurd und gibt es mit mir nie“), noch Europaratsbeschlüsse, noch Bundesgesetze bindend. Interessant. I.V.m. den zahlreichen Vorkommnissen unter der sehr bedauerlichen Überschrift „Postfaktisches Zeitalter“ finde ich das Schlamassel, in dem wir uns befinden, leider pässlich ergänzt und findet hierin eine Dimension, die noch über die Impfdebatte Folgen haben wird: Die Kultur, die Werte und das Procedere, das bzw. die wir in dieser Sache erleben, wird Bestand haben und sich zukünftig gleichermaßen in anderen Zusammenhänge finden lassen. Die roten Linien sind ausgetestet und erfolgreich verschoben worden. Aber ich wollte ja interessante Links und Quellen zu dieser Impfdebatte nennen.

Der Kracher schlechthin der letzten Woche war natürlich der abgewiesene Eilantrag des Bundesverfassungsgerichts gegen die einrichtungsbezogene Corona-Impfpflicht. S. https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2022/bvg22-012.html. In allen Punkten ein Kracher – und daher nicht exzerpierbar. Am meisten schaudern lässt mich die Argumentation, die jeglichen Lern- und Anpassungsprozess der Beurteilung der medizinischen Faktenlage außen vor lässt. Dieses Urteil könnte gut zu Beginn des Auftretens der Delta-Variante kompatibel sein. Nur liebe „Richterlein“, da sind wir nicht mehr. Interessant auch die Einschätzung in der Begründung, dass Betroffene ja ihren Job wechseln könnten. Wow, das ist schon ein echtes Gegenprogramm zu dem „Klatschen von den Balkonen“ zu Beginn der Pandemie.

Zur Impfpflicht – dann aber der allgemeinen – ist ebenfalls Bewegung reingekommen: Es gibt jetzt in der Orientierungsdebatte des Bundestages einen Vorschlag zu einem „Impfvorsorgegesetz“, s. beispielsweise https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/131751/Debatte-um-allgemeine-Impfpflicht-Ampelkoalition-und-Union-legen-Gesetzentwuerfe-vor. Vielleicht macht ja dieser jüngste Vorschlag das Rennen, also erstmal eine allgemeine Impfpflicht als Potentialis ohne zunächst in eine Umsetzung zu gehen. Um dann die Karte doch zu ziehen. Denn da bleibe ich bei meiner Einschätzung, dass die im großen Stil eingekauften und nachweislich sich nicht (mehr!) durch Impfeffektivität auszeichnenden Impfstoffe auch verimpft werden müssen. Um Schaden am politischen System zu verhindern (zu den Zahlen sei hier nochmals auf den https://www.tagesschau.de/investigativ/report-mainz/impfdosen-117.html verwiesen) sowie den Geimpften das gute Gefühl zu geben, dass wir vielleicht auf dem Holzweg sind, aber zumindest dann alle auf dem Holzweg sind (so die Begründung von NRW Ministerpräsident Hendrik Wüst bei Anne Will am 23. Januar: „Sinn und Zweck ist, dass wir den Menschen signalisieren können, die alles getan haben in den letzten zwei Jahren, die sich haben impfen lassen, die vorsichtig waren, die sich testen lassen, die Masken tragen: Jetzt sind die anderen dran, die sich bisher geweigert haben“). Medizinisch begründet ist die Impfpflicht also auch von politischer Seite längst nicht mehr.

Das ist wiederum gewissermaßen durchaus kenntnisreich, denn eine medizinische Begründbarkeit ist (inzwischen!) wirklich mehr als fraglich: Siehe dazu „Vom Fremdschutz zum Selbstschutz“, s. https://www.heise.de/tp/features/Vom-Fremdschutz-zum-Selbstschutz-6445402.html. Komplett lesenswert und daher auch das nicht exzerpierbar. In dem Artikel findet sich gleich zu Beginn der Hinweis auf die 60 Mio. teure Impfkampagne. Ich bin ob dieser Euros wieder gespannt, in welchen Medien sie ausgespielt wird und wie sauber diese Medien dann Redaktion und Anzeigengeschäft trennen werden. Da hatte ich in der Vergangenheit schon so meine Zweifel. Aber, wie oben geschrieben, ist der Artikel unbedingt in Gänze zu lesen – wegen seiner medizinischen Ausrichtung und nicht wegen der Kosten einer Werbekampagne.

Wie immer also mein Ansinnen: Bitte selbst recherchieren (und gerne im Kommentar auf interessante Veröffentlichungen hinweisen!), kritisch sein und bleiben und damit selbst denken. Ich sehe in meinem Umfeld leider v.a. vorauseilenden Gehorsam und weiter den Impact einer abgrundtiefen Angstpsychose, die gewollt und gesteuert ist. S. z.B. https://www.wz.de/politik/omikron-entdeckerin-ich-sollte-nicht-oeffentlich-ueber-milderen-verlauf-sprechen_aid-66124355. Dass dabei zahlreiche rote Linien z.B. hinsichtlich des respektvollen Umgangs miteinander und der Wahrung des Gemeinsinns unter Einsatz alternativer Fakten überschritten werden, ist das neue Normal.

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